Lehrberuf ist ein Beziehungsberuf. Neue Beziehungsqualitäten möglich?

|   Distance Learning

von Florian Osswald, Leitung Pädagogische Sektion am Goetheanum

Wir alle befinden uns in einer ausserordentlichen Lage. Arbeit und Privatleben haben sich in den letzten Tagen in vielen Gegenden der Welt massiv verändert.  Vieles ist noch ungewiss und unvorhersehbar, von uns allen ist jetzt grosse Offenheit und Flexibilität gefordert, gepaart mit innerer Kraft und Stärke.

Helfen wir als Lehrkräfte mit, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Der Lehrberuf ist ein Beziehungsberuf par excellence. Beziehungsqualität ist grundlegend, jedoch im Moment stark eingeschränkt.

Doch es entstehen auch neue Beziehungsqualitäten. Es scheint, als ob das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Solidarität sich gerade in Krisenzeiten immer wieder neue Wege der Erfüllung sucht. Die Bereitschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen, gemeinsam aus den unverhofften Umständen das Beste zu machen, bringt kreative Ideen hervor. Viele Einrichtungen wechselten in den Online-Betrieb innert kürzester Zeit.

Das grosse Engagement, der starke Zusammenhalt sowie die Kreativität bei der Suche nach Lösungen neben den Betreuungspflichten daheim sind beeindruckend.

Der Online-Modus lässt uns zahlreiche neue Möglichkeiten der digitalen Medien entdecken. Dabei werden aber auch die Grenzen der Digitalisierung spürbar, und es darf nicht in den Hintergrund geraten, dass die Lehrperson mit ihrer physischen Präsenz auch in Zukunft Dreh- und Angelpunkt einer förderlichen Beziehungsgestaltung zwischen Lehrenden und Lernenden bildet, sowohl im Kindergarten als auch in der Schule.