Lehrerkonferenzen in Zeiten von Corona

|   Distance Learning

von Christof Wiechert, freie Mitarbeit Pädagogische Sektion am Goetheanum

Haben wir in einem ersten Beitrag in vierzehn Punkten vor allem darauf hingewiesen wie wichtig es ist gerade in dieser Zeit einen intensiven Kontakt zu den Elternhäusern und Schülern durch alle möglichen Mittel zu suchen, so wurde in einem fünfzehnten Punkt auf die Bedeutung gewiesen, auch das Lehrerkollegium müsse in irgendeiner Weise zusammengehalten werden.

Das Merkwürdige ist, dass momentan ein Wort herumgeht, 'social distancing' genannt. Meines Erachtens ein verkehrtes Wort, denn was von Nöten ist, ist 'physical distancing.' Körperlich müssen wir aus verständlichen Gründen Abstand halten, sozial gerade nicht! Was wir jetzt brauchen ist 'social togetherness‘, ein sich Zusammenfühlen, und auch wenn man gezwungen ist, dieses virtuell zu realisieren.

Durch einen Kollegen wurde ich aufmerksam gemacht auf eine Schule, die tatsächlich wie ratlos dieser Situation gegenübersteht, und in den letzten Wochen nichts unternommen hat, irgendwie einen Zusammenhalt zwischen Eltern-Schülern und Schule herzustellen.

Da keiner weiss wie lange diese Situation dauern wird, ist eine solches Fallenlassen bestimmt riskant, denn wenn irgendwie das soziale Band, wenn irgendwie der seelische Gewohnheitsleib, der eine Schulgemeinschaft am Leben und zusammenhält, in sich selber zerfällt, wird es sehr schwierig sein ihn wieder herzustellen.

Daher mein Aufruf von Punkt vier in dem vorigen Beitrag, gerade jetzt ein wöchentliches Extra Bulletin von der Schule an die Eltern ausgehen zu lassen, in dem Wissenwertes der Schule und der jetzt unsichtbaren Arbeit der Lehrer dargestellt wird. Dazu können von Schülern verfasste Berichte oder Geschichten gestellt werden und auch wie die Klassenlehrer sich mit ihren Schülern in Kontakt setzten.

Hier aber soll noch einmal der letzte Punkt hervorgehoben werden. Es gibt heute viele technische Möglichkeiten in kleineren oder grösseren Gruppen virtuell zusammen zu sitzen. So bin ich wöchentlich einer Lehrerkonferenz an einer Schule in Asien zugeschaltet. Wichtig ist, dass zuvor ein Gesprächsleiter angewiesen wird, der dann die Redemöglichkeiten gerecht verteilt und der oder die auch dafür sorgt, dass gerade jetzt in dieser Zeit jeder, der an diesen Sitzungen teilnimmt, zu Wort kommt. Man bedenke, die meisten sitzen alleine zu Hause; jetzt ist wichtig, dass ein jeder Gehör bekommt.

Diese Konferenzen verlangen eine andere Anstrengung als wenn man auch physisch zusammen ist. Man muss intensiver hineinhören, was einer sagt oder sagen will, da ja die normalen Hilfen der Sinne abwesend sind. Man ist ganz alleine auf Auge und Ohr angewiesen. Es ist sehr 'nackt' und daher leicht abstrakt.

Die Erfahrung aber hat gezeigt, die Kollegen freuen sich auf diese Zusammenkünfte in der virtuellen Welt, man hat doch für einige Zeit das Gefühl zusammen zu sein, auch wenn es Surrogat ist.

Also gerade jetzt Einheit bilden, zusammen stehen und Wesentliches besprechen.

Unsere Erfahrung ist, eine solche Konferenzform sollte höchstens anderthalb Stunden andauern, besser ist noch etwas kürzer.

Man hört auch hier und da eine gewisse Hilflosigkeit wie man mit diesen technischen Mitteln umgehen soll, man sei gerade in der Lage seinen eigenen Laptop zu bedienen.

Man kann davon überzeugt sein, dass es sehr kompetente Eltern in jeder Schule gibt, die gerne behilflich sein werden solche Schaltungen herzustellen, meist sind ja auch einige Kollegen sehr fit auf diesem Gebiete. In solchen Konferenzen sollte auch besprochen werden welche Hilfestellungen die Schule, die einzelnen Lehrer in der Lage sind zu leisten. Es kommen Berichte, dass Familien wo zum Beispiel beide Elternteile im 'home office' arbeiten müssen und zugleich bei den Hausaufgaben mit den Kindern helfen, schnell überfordert sind. Vorallem weil man, wie gesagt, nicht weiss wie lange dieser Zustand anhalten wird. Andere Familien, die in engen Wohnungen leben, werden auch schon relativ schnell in stressige Situationen kommen. Für solche Fälle sollte die Schule erreichbar sein und Hilfe bieten.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu den Medien. Aus vollkommen berechtigten Gründen stellen sich die Waldorfschulen, vorallem wenn es junge Kinder betrifft, eher kritisch auf in Sachen Mediengebrauch und Medienkonsum. Eine schnelle Umfrage hat bereits ergeben, dass die Bildschirmzeit der Kinder sich in der jetzigen Situation schon um 50 % erhöht hat. Wie soll man sie dann jetzt auf einmal gebrauchen?

Ich möchte es durch einen Vergleich verdeutlichen. Penicillin ist ein Heilmittel, dass, wenn richtig angewendet in bedrohlichen Fällen, eine lebensrettende Wirkung haben kann. Aber wir wissen auch, dass es unendlich viel gebraucht wird in Fällen, wo man sich fragen kann, ist das jetzt die richtige Anwendung und notwendig?  Ich meine, so ist es auch mit den Medien, oft viel und unnötig gebraucht, aber jetzt - in dieser Situation - hilfreich!